[hardware/video_systems]
Zwei Videosysteme: VIC-IIe und VDC
Eines der ungewöhnlichsten Merkmale des C128 ist sein doppeltes Videosystem. Gemeint ist damit keine einfache Umschaltoption, sondern zwei tatsächlich getrennte Videologiken mit eigener Hardware, unterschiedlicher Zielsetzung und voneinander unabhängiger Arbeitsweise.
VIC-IIe – das vertraute 40-Spalten-System
Der VIC-IIe ist eine leichte Weiterentwicklung des VIC-II aus dem C64. Er erzeugt das bekannte 40-Spalten-Bild, arbeitet mit demselben Sprite-Prinzip, kennt die vertrauten Grafikmodi und greift wie sein Vorgänger auf das normale System-RAM zu. Im C64-Modus ist er die alleinige Anzeigeeinheit.
Dadurch bleiben aber auch die bekannten Grenzen erhalten: dieselben Speicherzugriffskonflikte, dieselben farblichen und auflösungsbedingten Beschränkungen und dieselbe enge Bindung an das System-RAM.
VDC 8563 – das eigenständige 80-Spalten-System
Der MOS 8563 VDC ist eine grundlegend andere Konstruktion. Er besitzt eigenen Videospeicher – beim normalen C128 und frühen C128D typischerweise 16 KB – und greift nicht wie der VIC-IIe direkt auf das Haupt-RAM zu. Die CPU spricht ihn indirekt über zwei I/O-Register an. Der 8568 des C128DCR ist mit 64 KB Video-RAM verbunden und integriert weitere Systemfunktionen.
Seine Ausgabe erfolgt über RGBI und richtet sich damit an Monitore, die für ernsthafte Textarbeit deutlich geeigneter waren als typische 40-Spalten-Darstellungen. Für CP/M und andere textlastige Anwendungen war das ein echter Unterschied im praktischen Nutzen.
[Video_Diagnostic] Dual-Video-Architecture
> VIC-IIe (8564 PAL): 40 Spalten / Sprite-System / Composite+RF / System-RAM
> VDC 8563: 80×25 Standard / RGBI / typischerweise 16 KB VRAM · 8568 im DCR: 64 KB
> Zugriff: VIC-IIe teilt Haupt-RAM-Bus / VDC arbeitet aus lokalem VRAM / CPU-Zugriff indirekt über $D600/$D601
> Betrieb: beide Systeme gleichzeitig aktiv / zwei Monitore theoretisch möglich
> Bewertung: ungewöhnlich aufwendige Lösung mit klar unterschiedlicher Zielsetzung
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Trennung beider Systeme, sondern auch die Tatsache, dass sie gleichzeitig aktiv sein können. In der Praxis wurde das selten ausgenutzt, weil meist nur ein Monitor vorhanden war. Technisch war das System jedoch darauf vorbereitet.
- VIC-IIe – Grafikmodi: Hi-Res-Bitmap (320×200), Multicolor-Bitmap (160×200), Zeichenmodi und Sprites im vertrauten Commodore-Rahmen.
- VDC – Textmodi: 80×25 Standard, bei ausreichendem VRAM erweiterbar. Hardware-Cursor und textorientierte Arbeitsweise.
- VDC – Grafikmodi: Bitmap-Grafik grundsätzlich vorgesehen, im Alltag aber deutlich seltener genutzt.
- VRAM: C128 und früher C128D typischerweise 16 KB; C128DCR mit 8568 und 64 KB. Umbauten müssen gerätebezogen dokumentiert werden.
Der VDC gehört zu den technisch leicht unterschätzten Merkmalen des C128. Nicht weil er spektakulär gewesen wäre, sondern weil er den Rechner dort ernsthaft erweiterte, wo der C64 klar begrenzt blieb: bei Textarbeit, bei CP/M und bei allem, was einen schärferen, ruhigeren Bildschirm verlangte.
„Zwei getrennte Videosysteme in einem solchen Rechner waren keine Selbstverständlichkeit, sondern ein erheblicher konstruktiver Aufwand.“
Darstellungskontext:
Monitore und Bildröhren
ordnet 40-Spalten-Video, RGBI und historische Anzeigegeräte breiter ein.